Wer urteilt über die Verbrecher?

vor 8 Monaten · 0 comments
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Libertäre und vor allem Anarchisten werden oft gefragt, wer ohne staatliche Justiz Recht spricht. Eine theoretische Antwort darauf geben Oliver Janich mit seinem Buch "Sicher ohne Staat" oder Stefan Molyneux in "Anarchie in der Praxis". Der Leser, der sich nicht ausgiebig mit dem Darknet beschäftigt hat, mag überrascht sein. Denn in diesem dunklen Teil des Netzes ist die private Gerichtsbarkeit ohne Staat bereits gängige Praxis. Das Darknet ermöglicht den Handel mit Waren und Dienstleistungen aller Art. Auch den Handel, den die Staaten gerne verbieten - manchmal zu Recht. Medikamente, Drogen, Waffen, Angriffe auf Serverinfrastrukturen, Kreditkartendaten und ganze Identitäten werden auf diversen Plattformen und Foren angeboten.

 Wie auf dem "weißen Markt" ist es nicht verwunderlich, dass es auch auf dem Schwarzmarkt zu Konflikten zwischen mehreren handelnden Personen kommen kann. Ein Käufer möchte seine Ware oder Dienstleistung erhalten, ein Verkäufer möchte die dafür ausgehandelten Geldeinheiten erhalten.

Auch Kriminelle legen Wert darauf, nicht selbst betrogen zu werden. Auf dem staatlich anerkannten Markt werden Streitigkeiten, die nicht gütlich beigelegt werden können, in realen Namen vor staatlichen oder staatlich anerkannten Gerichten ausgetragen. Im Darknet treten die Leute aber nicht mit ihrem richtigen Namen auf, geschweige denn, dass sie ein staatliches Gericht anrufen. Man müsste sich selbst einer Straftat bezichtigen, um sein Anliegen vorzubringen. Wie also löst die cyberkriminelle Gemeinschaft das Problem des fehlenden Zugangs zur Justiz? Das ist so einfach wie genial: Sie schaffen ihr eigenes Rechtssystem. Dutzende von Fällen werden täglich vor Gericht oder in Arbitrageforen entschieden, in der Regel von hochrangigen und vertrauenswürdigen Mitgliedern der Forenverwaltung.

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